
Therapeutisches Boxen
Boxgestützte psychosoziale Beratung
Nicht stärker werden müssen. Sondern sich selbst deutlicher wahrnehmen.
Manchmal wissen wir sehr genau, dass uns etwas zu viel ist – und sagen trotzdem nicht Nein. Manchmal spüren wir unsere Grenzen erst, wenn sie längst überschritten sind. Und manchmal verstehen wir mit dem Kopf, was wir verändern möchten, können es im entscheidenden Moment aber nicht umsetzen.
Genau hier setzt meine boxgestützte psychosoziale Beratung an.
Sie verbindet Elemente aus dem Boxtraining mit psychosozialer Beratung und körperorientierter Arbeit. Dabei geht es nicht um Kampf, Leistung oder darum, möglichst hart zuzuschlagen.
Im Mittelpunkt steht die Frage:
Was kann ich über Bewegung über mich selbst erfahren – und wie kann ich diese Erfahrung für meinen Alltag nutzen?
Warum Boxen?
Therapeutisches Boxen ist eine sehr unmittelbare Form von Bewegung:
Ich stehe.
Ich nehme meinen Körper wahr.
Ich entscheide.
Ich gehe vor oder zurück.
Ich halte Abstand.
Ich schütze mich.
Ich setze Kraft ein.
Ich stoppe.
Ich reguliere meine Kraft wieder herunter.
Dadurch können Themen, über die wir sonst hauptsächlich sprechen,
körperlich erfahrbar werden.
Ein Schritt zurück kann beispielsweise die Erfahrung vermitteln:
Ich darf Abstand herstellen.
Eine stabile Position kann bedeuten: Ich darf meinen Platz einnehmen.
Die Deckung kann erfahrbar machen: Ich darf mich schützen.
Ein bewusst gesetzter Schlag auf eine Pratze kann die Erfahrung unterstützen: Ich kann handeln und meine Kraft dosieren.
Die anschließende Pause wiederum kann zeigen: Ich kann Aktivierung wahrnehmen und wieder regulieren.
Das Boxen wird damit zum Medium der Beratung. Die körperliche Erfahrung wird gemeinsam wahrgenommen, reflektiert und – wo es sinnvoll ist – mit Situationen aus dem persönlichen Alltag verbunden.
Grenzen wahrnehmen und gestalten
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Grenzkompetenz.
Grenzen zu setzen bedeutet dabei wesentlich mehr,
als laut und deutlich „Nein“ sagen zu können.
Oft beginnt eine Grenze viel früher.
Vielleicht verändert sich die Atmung. Der Körper spannt sich an. Ich werde unruhig.
Ich möchte einen Schritt zurückgehen. Etwas fühlt sich plötzlich nicht mehr stimmig an.
Boxgestützte und bewegungsorientierte Übungen können einen Rahmen schaffen,
in dem solche Signale bewusster wahrgenommen werden.
Grenzkompetenz
Wahrnehmen
Ich bemerke, dass sich etwas für mich verändert.
Differenzieren
Ich frage mich: Was brauche ich gerade? Mehr Abstand? Weniger Intensität? Eine Pause? Unterstützung? Oder möchte ich trotz meiner Unsicherheit weitermachen?
Entscheiden
Ich nehme meine eigene Wahrnehmung ernst und treffe eine Entscheidung.
Kommunizieren
Ich kann ausdrücken: „Stopp“, „langsamer“, „weniger“, „mehr Abstand“.
Aber auch „Ja“, „weiter“ oder „das passt für mich“.
Handeln
Ich erlebe, dass ich nicht nur reagieren muss. Ich kann stehen bleiben,
Abstand herstellen, eine Pause machen oder eine Situation aktiv verändern.
Eine Grenze halten
Ich darf bei meiner Entscheidung bleiben,
auch wenn mein Gegenüber etwas anderes möchte.
Die Grenzen anderer respektieren
Selbstbehauptung bedeutet nicht, sich durchzusetzen. Zur Grenzkompetenz
gehört ebenso, Signale anderer wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
Grenzen flexibel gestalten
Gesunde Grenzen sind nicht starr. Ich darf Nähe zulassen und später wieder Abstand brauchen. Ich darf meine Meinung ändern. Ein Nein kann Nein bleiben – und ein Ja darf ebenfalls zurückgenommen werden.
Grenzkompetenz bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Grenzen aufzubauen.
Sie bedeutet, Nähe und Distanz selbstbestimmter gestalten zu können.
Selbstregulation
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Regulationsfähigkeit.
Boxbewegungen können den Körper aktivieren:
Der Puls steigt, die Atmung verändert sich, Aufmerksamkeit
und Muskelspannung nehmen zu.
Interessant ist für mich dabei nicht nur die Aktivierung.
Entscheidend ist das Regulieren.
Kann ich wahrnehmen, dass meine Anspannung steigt?
Kann ich meine Kraft dosieren?
Kann ich langsamer werden?
Kann ich eine Pause verlangen?
Kann ich nach einer intensiveren Bewegung wieder zur Ruhe finden?
In den Übungen wechseln deshalb bewusst Aktivierung und Regulation.
Es geht nicht darum, Gefühle „wegzuboxen“.
Vielmehr geht es darum, unterschiedliche innere Zustände wahrzunehmen und zunehmend Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit ihnen zu entwickeln.
Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit bedeutet vereinfacht:
Ich erlebe mich als jemand, der etwas bewirken kann.
Gerade bei länger anhaltenden psychischen Belastungen kann
dieses Gefühl beeinträchtigt sein.
Boxgestützte Übungen bieten sehr unmittelbare Rückmeldungen.
Ich entscheide mich für eine Bewegung – und etwas passiert.
Ich erhöhe meine Kraft – und spüre den Unterschied.
Ich sage „Stopp“ – und mein Gegenüber hält an.
Ich brauche Abstand – und stelle ihn her.
Ich beginne – und ich kann auch wieder aufhören.
Diese kleinen körperlichen Erfahrungen können anschließend
in der Beratung aufgegriffen werden:
Wo kenne ich dieses Thema aus meinem Alltag?
Wo wünsche ich mir mehr Handlungsspielraum?
Welche Erfahrung aus der Übung könnte mir dort helfen?
So entsteht eine Verbindung zwischen körperlichem Erleben,
psychologischer Reflexion und Alltag.
Körperwahrnehmung
Unser Körper reagiert häufig, bevor wir eine Situation bewusst eingeordnet haben.
Deshalb spielt die Wahrnehmung körperlicher Signale
in meiner Arbeit eine wichtige Rolle.
Wie verändert sich meine Atmung?
Wo entsteht Spannung?
Wann fühle ich mich stabil?
Wann möchte ich zurückweichen?
Wie verändert sich mein Körper, wenn jemand näherkommt?
Wann fühlt sich Kraft gut an – und wann wird sie zu viel?
Dabei geht es nicht darum, jede Körperempfindung zu analysieren
oder als Warnsignal zu interpretieren.
Es geht darum, die eigene Wahrnehmung differenzierter kennenzulernen und
dadurch zusätzliche Informationen für das eigene Handeln zu gewinnen.
Nicht. gegen jemanden - sondern mit. jemanden
Boxgestützte Beratung (therapeutisches Boxen) bedeutet
in meiner Arbeit keinen Kampf gegeneinander.
Es gibt kein Sparring und keinen Leistungs- oder Konkurrenzgedanken.
Gearbeitet wird beispielsweise mit:
- Pratzen und Schlagpolstern
- Boxhandschuhen
- Distanz- und Bewegungsübungen
- Übungen zu Stand und Körperhaltung
- Atem- und Regulationsübungen
- Wahrnehmungsübungen
- Übungen zu Nähe und Distanz
- bewegungsorientierten Partnerübungen
Gerade die Arbeit mit einem Gegenüber kann wertvoll sein.
Denn Grenzen entstehen häufig in Beziehung.
Eine Person sagt „Stopp“ – die andere respektiert es.
Eine Person möchte weniger Intensität – die andere passt sich an.
Eine Person entscheidet sich für Abstand – und erlebt,
dass Beziehung trotzdem bestehen bleiben kann.
So kann Bewegung zu einem geschützten Erfahrungsraum
für Selbstwahrnehmung, Beziehung und Selbstbestimmung werden.
Für wen kann boxgestützte Beratung interessant. sein?
Das Angebot richtet sich nicht ausschließlichan Menschen
mit einer psychischen Erkrankung.
Es kann beispielsweise interessant sein, wenn du:
- Deine eigenen Grenzen früher wahrnehmen möchtest,
- Schwierigkeiten hast, Nein zu sagen oder eigene Bedürfnisse zu vertreten,
- du dich häufig an die Bedürfnisse anderer anpasst,
- einen besseren Umgang mit Anspannung und Stress entwickeln möchtest,
- mehr Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit gewinnen möchtest,
- einen körperorientierten Zugang zusätzlich zum Gespräch suchst,
- dich selbst und die eigene Kraft anders erleben möchtest.
Besonders beschäftige ich mich mit den Themen Grenzkompetenz, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit bei Frauen und Jugendlichen sowie mit der altersgerechten Übertragung dieser Ansätze auf Kinder (derzeit nur im Workshopsetting möglich).
Muss ich boxen können?
Nein.
Es sind weder Boxerfahrung noch besondere sportliche Voraussetzungen erforderlich.
Die Übungen werden individuell angepasst. Intensität und Tempo orientieren sich
an den persönlichen Möglichkeiten und Grenzen.
Gerade das selbstbestimmte Entscheiden über Intensität, Pause, Nähe
und Distanz ist Bestandteil des Ansatzes.
Ist. das Psychotherapie?
Nein.
Mein Angebot des therapeutischen Boxens bzw. der boxgestützten psychosozialen Beratung findet im Rahmen meiner Tätigkeit als psychosoziale Beraterin statt und ersetzt keine notwendige medizinische, psychiatrische, klinisch-psychologische
oder psychotherapeutische Behandlung.
Bei bestehenden psychischen oder körperlichen Erkrankungen wird individuell
geklärt, ob und in welcher Form das Angebot passend ist.
Mein fachlicher Hintergrund
Ich habe Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud Privat Universität
in Wien studiert und bin als psychosoziale Beraterin tätig.
Weiter arbeite ich im sozialpsychiatrischen Bereich mit Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dort fließen körper- und bewegungsorientierte Interventionen
bereits in meine praktische Arbeit ein.
Zusätzliche Weiterbildungen im Bereich Therapeutisches Boxen und Breathwork ergänzen meinen fachlichen Hintergrund.
Meine Arbeit verbindet damit psychologisches Wissen, psychosoziale Beratung, sozialpsychiatrische Praxiserfahrung und körperorientierte Methoden.
Ein Ansatz in Entwicklung
Boxgestützte psychosoziale Beratung ist ein noch junges Feld.
Erste wissenschaftliche Untersuchungen zu nicht-kontaktorientierten
Boxinterventionen im Bereich psychischer Gesundheit zeigen interessante
und vielversprechende Ergebnisse.
Mein Ansatz wird aus praktischer Erfahrung, psychologischem Fachwissen und aktuellen Erkenntnissen unter anderem zu Körperwahrnehmung, Emotionsregulation, Selbstwirksamkeit und bewegungsorientierten Interventionen kontinuierlich weiterentwickelt.
Im Mittelpunkt bleibt dabei eine einfache Frage:
Wie kann ein Mensch über den Körper erleben, dass er wahrnehmen,
entscheiden, Grenzen gestalten und handeln kann?
Bewegung beginnt. im Kopf
Selbstwirksamkeit bedeutet nicht nur
"Ich kann." sondern auch "Ich muss nicht."

